Kunst hoch 4, Künstlerfreundschaften

Hans von Marées – Günther Förg

Als Günther Förg  mit Fred Jahn 2008 die Galerie besuchte und Förg eine Sammlung von 6 bedeutenden Zeichnungen von Hans von Marées erwarb, waren wir erstaunt und erfreut. Wir wußten damals nichts von Förgs Interesse an Marées und auch nichts von seinem Zyklus „Naples“, 1987, 24 Zeichnungen nach den Fresken von Hans von Marees in Neapel, den die Staatlichen Graphische Sammlung 1997 ankaufte. Da sich der bedeutendste Bestand von Zeichnungen von Hans von Marées ebenso in München befindet, ist anzunehmen, dass Förg auch diese wunderbaren Blätter nicht unbekannt blieben. Förgs Datierungen 30.2. 87 – 30.7. 87 weisen auf eine längere Beschäftigung mit den Fresken in Neapel hin. Die Umsetzung von Marées‘ Fresken wie der „Orangenpflücker“, das „Boot“, die Treppe der „Pergola“ sowie die Wandaufteilungen münden in Förgs ureigene Bildsprache. Auf die Bedeutung dieser Blätter für Förgs künstlerische Arbeit wurde verschiedentlich hingewiesen; so war ein Blatt mit geometrischer Kreuzkomposition die Titelabbildung des Ausstellungskataloges des Gemeentemuseums 1988.
Förg besaß eine Kunstbibliothek mit über 3000 Bänden und war kunsthistorisch äußerst bewandert, die Anziehung die er für Klee, Munch, die abstrakten Expressionisten, insbesondere Barnett Newman und Clifford Still verspürte ist evident und oft beschrieben worden. Im Katalog der jüngsten Ausstellung im Stedelijk Museum Amsterdam untersuchte Jeffery Saletnik  sein Spannungsverhältnis zwischen Moderne und Klassik. Er zitiert ein Interview mit Dorothea Dietrich im August 1989 in dem Förg über sich selbst sagt „im Herzen bin ein Klassizist“. Darauf dürfen wir uns mit einer Gruppe von vier seltenen Zeichnungen von Hans von Marées sowie 8 Werken von Günther Förg berufen. Wir wünschen mit dieser Generationen übergreifenden Gegenüberstellung unsere jährliche Ausstellungsreihe Kunst hoch 4zu bereichern. 

Arnoldi-Livie, München
Livie Fine Art, Zürich


 

Franz Grabmayr – Eugène Leroy

Es war immer eine Reise wert, nach Wien oder ins Waldviertel zu fahren, um Franz Grabmayr zu besuchen. Bei jedem Besuch war man in den Entstehungsprozess seiner Kunst eingebunden. Es gab kein Zusehen, nur ein Mitmachen. Die Entstehung der Werke waren Inszenierungen mit Tanz und Feuer, Bewegung, Rhythmus, Stimmung - alles war notwendig um seine Kunst entstehen zu lassen.
Bei allem gab es immer einen Begleiter, einen Katalog von Eugène Leroy, ein von Franz Grabmayr hochgeschätzter älterer Kollege. Der Katalog wurde von ihm immer als sein „Kochbuch“ bezeichnet und durfte auf keinen Fall fehlen, ansonsten war die Stimmung schlecht und ein Arbeiten nicht möglich.
Immer wieder haben Franz und ich uns vorgenommen seinen Malerkollegen zu besuchen, was uns leider durch den Tod von Eugène Leroy nicht mehr gelungen ist.
Mit dieser Ausstellung möchte ich zum Tod von Franz Grabmayr beiden Künstlern meine Ehre erweisen und verneige mich vor zwei
großen Malern.

Michael Haas, Berlin

 

 

Joachim Brohm – Heribert C. Ottersbach

Joachim Brohm und Heribert C. Ottersbach haben manchmal ein durchaus ähnliches Bildverständnis. Kompositorische Präzision und verhaltene Farbigkeit zeichnen das Werk beider Künstler aus, auch verbindet sie eine Vorliebe für randständige Sujets und architektonische Strukturen. Den ästhetischen Resultaten der Moderne stehen beide eher kritisch gegenüber.

Beide sind Meister des eigenen Mediums und finden über die Jahre gerne Anregung im Werk des Anderen. Wenn Brohm einen malerischen Blick in seiner Fotografie entwickelt, so ist es bei Ottersbach manchmal der fotografische Blick, den er in der Malerei verortet.

Der über Jahre andauernde Dialog resultiert 2009 in einer einzigartigen Kooperation. Jeder entwickelt für sich eine neue Werkreihe, die ohne vorangegangene Bilder des jeweils Anderen nicht denkbar wäre. Diese neuen Werke existieren in der Kombination als »Brohm/Ottersbach – Culatra/Areal«, sind jedoch unabhängig von einander auch integraler Bestandteil des jeweiligen künstlerischen Werks.

In der direkten Gegenüberstellung ausgewählter Werke Brohms und Ottersbachs auch über diesen Kontext hinaus zeigen sich Annäherungen, Wechselwirkungen und Eigenheiten, die dem jeweiligem Medium inhärent sind.

Beck & Eggeling, Düsseldorf